Was zu sagen war

Disclaimer vorab:

Dieser Blogpost wird polarisieren. Er wird Sanft- und Frohnaturen, deren Welt rosarot gefärbt und flauschig ist, nicht gefallen. Er wird unter Umständen der völlig falschen Klientel gefallen, da er unangenehme Realitäten anspricht und sie der Science Fiction Welt des “wir alle, als Menschen, sind immer und zu jeder Zeit dazu in der Lage, uns vernünftig und rational zu verhalten und werden nie durch Urinstinkte und Sozialisierungsmechanismen gesteuert” gegenüberstellt. Wem das alles zuwider ist, wer gern in einer wohlbehüteten Illusionsblase lebt oder wer schlicht die Schnauze voll hat von Nafris und der political correctness Debatte, der möge ab hier das Lesen einstellen.

Bild von der Seite der Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Bilder/Uebersichtsseiten/Gesetze/teaser-grundgesetz.jpg?__blob=poster&v=7

Vorab ein wenig Grundinformation. Worum geht es? Um Nafris (Link klicken, um den Hintergrund zu erfahren). Um vermeintlichen Rassismus. Und nicht zuletzt um die Frage, ob man uns nicht allen mal gehörig quer durchs Gehirn geschissen hat, wenn das die Probleme sind, die wir haben.

Jetzt muss man vorab dazu sagen, es mag sicher genügend hirnbefreite Vollidioten geben, die das Wort Nafri mit dem entsprechenden, herablassenden und arroganten Ton des Rassisten und Sichbesserfühlers sagen, aussprechen und das auch mit dem entsprechend rassistischen Hintergrund meinen. Das ist halt das Ding mit Wörtern…wenn ein Mensch mit keinerlei rassistischer Neigung und weltoffenem, freundlichen Wesen sagt “Ein Schwarzer sitzt neben mir.”, dann hat das einen völlig anderen Klang, eine völlig andere Qualität und eine völlig andere Bedeutung, als wenn derselbe Satz aus dem Munde einer Beatrix von Storch oder Frauke Petry kommt.

Ist deshalb gleich das Wort als solches böse? Unsinn, natürlich nicht. Wörter sind per se nicht böse, erst der Aussprechende und dessen Intention, Betonung und gegebenenfalls Mimik/Gestik beim Aussprechen verleihen einem Wort die Charakteristik “gut” oder “böse”, um es mal weiterhin sehr vereinfacht so einzuteilen. Sind Mohrenkopf oder Negerkuss rassistische Begriffe? Vielleicht, wenn Rassisten sie nutzen und dabei eben das denken, was Rassisten eben so denken. Ist es deswegen sinnvoll, Dinge, die jahrzehntelang so hießen, nun zwanghaft in Schaumkuss umzubenennen? Ich sage: nein. Im Gegenteil, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage: das ist nicht nur nicht sinnvoll, sondern gefährlich. Warum? In dem Moment, in dem ich aufgrund der Aktionen und Ansichten einiger weniger Arschlöcher mein Leben, meine Ausdrucksweise und meine Handlungen entsprechend abändere und darauf abstimme, möglichst nicht mit ihnen verwechselt zu werden, haben genau diese Arschlöcher gewonnen. Und ich bin schlicht nicht bereit, sie gewinnen zu lassen.

Was sind nun eigentlich Nafris?

Nun, dabei handelt es sich um eine Abkürzung, die entweder direkt für “Straftäter Nordafrikanischen Ursprungs” oder für “Nordafrikaner” im Allgemeinen steht. Sicher, nett ist mit Sicherheit anders, aber da könnte man sich letztlich, wenn man das ehrlich, ernst und völlig moralisch durchziehen möchte, genausogut über Amis, Ossis, Wessis, Ösis und derlei mehr echauffieren. Tut nur keiner. Warum? Weil es sinnfrei und lachhaft wäre. Als Polizist im Dienst, insbesondere in der Hitze des Gefechts/Einsatzes, will man möglichst viel und möglichst relevante Info in möglichst kurzer Zeit über den Äther des Funks jagen. Da geschieht es, wie in Chats und SMS und WhatsApp und Hangouts und derlei mehr auch übrigens, schon völlig von selbst, dass man Dinge abkürzt. Bei vermutlich 99% dieser Abkürzungen wird im Übrigen absolut überhaupt nicht drüber nachgedacht, sondern es wird schlicht das Erste, was als halbwegs logische Abkürzung erscheint, genommen. Da steckt kein böser Wille dahinter und schon gar kein Rassismus, das ist schlicht und erfreifend Pragmatismus. Es ist für den Polizisten schlicht schneller und einfacher, der Leitstelle zu melden, dass er gerade eine “PK an Nafri” durchführt, als eben eine “Personenkontrolle an einer Person offenbar Nordafrikanischen Ursprungs”.  Das ist auch an und für sich nichts Schlimmes und ist absolut gängig und üblich in der Funkdisziplin, so ist z.B. ja auch nicht von einem Verkehrsunfall die Rede, sondern von VU und wenn er einen Platzverweis ausspricht, dann murmelt der Beamte eher ein fixes PV ins Funkgerät, als eben den Platzverweis. Das macht im Übrigen nicht nur die Polizei so, das machen auch andere Hilfs- und Rettungskräfte, wenn sie per Funk kommunizieren oder in der internen Dokumentation. So schreibt der Sanitäter in den Aufnahmebericht auch nicht “habe Blutdruck beim Patienten gemessen, Resultat war 100 zu 60, Puls 60, Patient war nicht ansprechbar aber Atmung war vorhanden”, sondern notiert nur ein stumpfes “RR 100/60, P60, P. N/A, Atm. norm.“. Für ausschweifende, dafür aber hoffentlich politisch korrekte Romane hat der Polizist im Einsatz in aller Regel übrigens keine Zeit. Klar, es gibt auch unter den Polizisten Rassisten. Aber vielleicht, nur vielleicht, möchte man dieselben Standards, die man von Polizisten erwartet, wenn man sich über Nafris und racial profiling echauffiert, auch an sich selbst anlegen und eben nicht per se davon ausgehen, dass alle Polizisten Rassisten sind, weil sie gängige Funkabkürzungen nutzen?

Und auch dieses Schlagwort des racial profiling ist so ein herrliches Beispiel für…naja…Unsinn. Sicher, grundsätzlich ist es absolut zu verurteilen, per se alle Nordafrikaner unter Generalverdacht zu stellen und in einer Welt, in der wir alle moralisch ohne Makel  und über jedweden Instinkt, Reflex und menschliche Makel erhaben sind, ist dies sicher auch machbar. Wir leben aber nicht in einer solchen Welt, sondern in der Realität. In der Realität ist das Wesen Mensch nunmal fehlerhaft, sozial sehr leicht beeinflussbar und entwickelt schnell Vorurteile. Das passiert doch selbst all den Moralaposteln, die nun eine Riesenwelle wegen der Bezeichnung Nafris machen. Denn genau jene stellen ja nun alle Polizisten unter den Generalverdacht, Rassisten zu sein. Das ist nicht großartig anders als das Vorurteil, alle Nordafrikaner seien Straftäter, welches sie den Polizisten da unterstellen.

Fakt ist doch, dass es völlig natürlich ist, dass eine Gruppierung von Menschen, welche eines oder mehrere Merkmale teilen, eher mal kontrolliert wird, wenn die – persönlich subjektive oder empirisch objektive – Erfahrung einem sagt, dass jene häufig mit irgendetwas Bestimmtem auffallen. Das muss überhaupt nicht per se etwas mit Rassismus zu tun haben. Wenn jetzt gerade eine Häufung von Vorfällen mit dunkelhäutigen Menschen – eine Bezeichnung die ich persönlich deutlich beleidigender, rassistischer und negativer finde, als Schwarzer – als Tätern vorliegt, muss es niemanden wundern, wenn ebenjene eben häufiger kontrolliert werden. Wenn ab morgen grünäugige Weiße mit Schmetterlingstattoo auf dem linken Augenlid vermehrt Autos stehlen, wird die Polizei genau die auch eher unter die Lupe nehmen. Das ist nicht per se rassistisch, sondern schlicht vernünftig im Hinblick auf die Statistik. Und zudem schlicht menschlich. Der Mensch ist nicht gut und edel. Der Mensch ist sogar ganz schön kaputt und sehr einfach zu beeindrucken. Bin ich Rassist? Nein, mit Sicherheit nicht. Habe ich trotzdem ein ungutes Gefühl, wenn mir ein Pulk von 3-4 jungen Türken entgegenkommt und mich eventuell noch komisch anschaut? Jap, aber sowas von. Weil ich persönliche Erfahrungen mit ebenjener Situation habe und mich das geprägt hat. Ist das rassistisch? Maybe. Ist mir an der Stelle aber egal, die Erfahrung habe ich gemacht und seither bin ich in dieser Situation eben aufmerksamer und wachsamer, als wenn das 3-4 Deutsche Jugendliche wären. Kann mir dasselbe mit irgendeiner beliebigen anderen Nationalität auch passieren? Aber sicher, unter Garantie. Das weiß ich. Trotzdem beeindrucken mich 3-4 Tschechische Jugendliche deutlich weniger an der Stelle. 

Sicher, ich sags gern nochmal: klar gibts auch bei der Polizei Rassisten. Die Generalverurteilung der Polizei ist aber deswegen immer noch nicht besser als das, was man der Polizei gerade vorwirft. Die Polizei hat in der Sache tatsächlich einen Fehler gemacht. Der Fehler war, eine Abkürzung in der Öffentlichkeit zu verwenden, die die Öffentlichkeit oder nähere Erklärung nicht verstanden hat. Der Rest war nicht zu beanstanden. Nach Allem, was ich bisher gelesen habe, hat die Polizei kontrolliert und wer bekannt war oder sich daneben benommen hat, wurde fortgeschickt. Wer unbekannt war und sich vernünftig verhalten hat, durfte weiter feiern. Daran finde ich jetzt nichts Verwerfliches. Das vornehmlich Nordafrikaner und Dunkelhäutige kontrolliert wurden ist auch nicht per se rassistisch, sondern schlicht pragmatisch und realistisch. Es liegt eben eine Häufung von Taten durch Tätern vor, die dieser Gruppierung angehören, also kontrolliert man diese Gruppierung vermehrt. Das macht keine Rassisten aus der Polizei als Institution, sondern schlicht Realisten. Übermorgen kann das schon wieder eine völlig andere Gruppierung sein.

Ich muss an der Stelle auch mal eine Lanze für die Deutsche Polizei brechen. So mancher, der hier die Polizei kritisiert, bemängelt auch die Ausrüstung und die Anzahl an Polizisten. Warum müssen Deutsche Polizisten zu Hundertschaften auf zwei Dutzend Demonstranten losgelassen werden? Warum laufen Deutsche Polizisten in Ballungsräumen mittlerweile mit MP5s im Anschlag Streife? Die Antwort ist ganz einfach: weil es nötig ist. Weil Abschreckung nötig ist. Dieser “show of force” ist nötig. Auch Deutschland muss seinen Bürgern, aber auch den potentiellen Feinden und Gefährdern seiner Bürger, zeigen, dass es im Zweifel bereit ist, sich zu wehren. Ich möchte, das muss ich ganz ehrlich sagen an der Stelle, nicht, dass unsere Polizisten einen islamistischen Attentäter, der wie die Täter in Paris damals mit Sturmgewehren und Sprengstoff bewaffnet auf Böses aus sind, mit einer popeligen Handfeuerwaffe bekämpfen müssen. Ich möchte nicht, dass unsere Polizei weiterhin so hoffnungslos unterbezahlt, unausgerüstet und unausgebildet tagtäglich ihr Leben riskiert, und dann im Zweifel gegen eine Bedrohung der heutigen Zeit nicht entsprechend gewappnet zu sein.  Wenn die Bösen aufrüsten und mit Sturmgewehren kommen, dann muss der Deutsche Polizist in der Lage sein, dem etwas entgegenzusetzen. Die Bösen werden eher nicht abrüsten. Sich hier besser aufzustellen, aufzurüsten und dafür zu sorgen, dass diejenigen, die sich tagtäglich für uns in Gefahr begeben, dies wenigstens mit guter Ausrüstung, guter Ausbildung und halbwegs vernünftiger Entlohnung tun, hat auch absolut nichts mit der Errichtung eines Polizeistaates zu tun, wie manch einer unkt. 

Ich war kürzlich in Prag. Eine Touristenhochburg, stimmt schon. An jeder zweiten Ecke stand ein Polizistenpäärchen. Mit Sturmgewehr, wahlweise auch “nur” mit MP5. Ich fühlte mich weder durch sie bedroht, noch eingeschüchtert. Warum auch. Die lassen einen ja in Ruhe, wenn man sich vernünftig verhält und sich nicht daneben benimmt. Im Gegenteil. Ob es mir jetzt gefällt oder nicht, aber ich habe mich in Prag auf dem gut bewachten und deutlich sichtbar abgesicherten Weihnachtsmarkt deutlich sicherer gefühlt, als ich mich nachts in der Karlsruher Innenstadt fühle. Und das ist eigentlich traurig.

 

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