Organspende

Organspende - darf das noch die eigene freie Entscheidung sein oder muss man das umbauen?

Gesundheitsminister Spahn möchte den Double Optout. Jeder soll grundsätzlich Organspender sein, es sei denn, man widerspricht ausdrücklich. Also im Grunde genommen das exakte Gegenteil der aktuellen Regelung. Das ist, aus mehreren Gründen, abzulehnen.

Zunächst, bevor die versammelten Social Justice Warrior und Verfechter des Gutmenschentums wieder durchdrehen und mich der Asozialität und anderer Dinge bezichtigen: ich bin selbst Organspender. Aus eigener, freier Entscheidung heraus und genau das ist der Punkt: ich habe mich selbst, aus freien Stücken und ohne Zwang dafür entschieden. Es ist mir unbegreiflich, wie Menschen, die sich Demokraten nennen, die für Freiheit und Liberalität einzutreten vorgeben und denen die Grundrechte der Menschen vorgeblich das Wichtigste sind, für die Widerspruchsregelung sein können. Das ist ein generelles Problem der Social Justice Warrior; die Methodik und Logik derer, gegen die sie üblicherweise ins Feld ziehen, sind in Ordnung und völlig valide, sobald es entweder “für das Richtige” oder “gegen die Richtigen” geht. So ist der nun gewollte Double Optout letztlich nichts Anderes als das, wogegen man noch bei Artikel 13 war. Das geht aber hier in Ordnung, denn es rettet ja Menschenleben und das hat doch bitte wichtiger zu sein, als die persönliche, freie Entscheidung.

Nun gibt es viele Stimmen, die daraufhin nun argumentieren: “Papperlapapp, du hast doch immer noch die freie Entscheidung, nur eben andersrum.“. Richtig, andersrum. Genau darum geht es aber. Eine Entscheidung für etwas ist dem Zwang, sich vorab direkt dagegen ‘wehren‘ zu müssen, immer vorzuziehen und in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sollte das an sich überhaupt nicht erst die Frage, sondern absolut selbstverständlich sein.

Man muss, wenn man – wie ich – auch noch ‘vom Fach’ ist, mitunter auch den absurdesten Unsinn zu dieser Debatte lesen. Social Justice Warrior vergessen gerne mal die Realität und in der Realität ist es leider recht einfach, für ‘tot’ erklärt zu werden, ohne es wirklich zu sein. Kurioserweise ist das absolute Gegenteil ebenso der Fall; es ist gar nicht mal so leicht, ‘endlich‘ mal für tot erklärt zu werden. Es hat ja schon seinen Grund, dass ein einziger Arzt im Krankenhaussetting i.d.R. gar nicht ausreicht, um einen Patienten für tot zu erklären und es zudem nicht genügt, einfach nur den Puls zu fühlen und bei Nichtvorhandensein ebenjenes Pulses direkt “Er ist tot, Jim!” zu schreien.

Kurioseste Stilblüten durfte ich heute in einer Diskussion auf Facebook erleben:

Das ist eine Argumentation, die so abstrus und wirr ist, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Man weiß gar nicht, wo man damit beginnen soll, die Absurdität dieser Aussage aufzuzeigen:

  • Es IST in der Tat dein Körper und mithin das Einzige, worüber du wirklich zu jeder Zeit und in jeder gegebenen Situation das alleinige Bestimmungsrecht haben solltest.
  • Es steht jedem Menschen zu, sich selbst wichtiger zu sein als andere; ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass ein gesundes Selbstbewusstsein und sich selbst wichtig zu sein durchaus gesund und wünschenswert ist.
  • Angehörige sind, in aller Regel zumindest, diejenigen, die einen noch mithin am Besten kennen und damit eine absolut logische Anlaufstelle für die Frage “Was glauben Sie, was hätte er/sie gewollt?“, wenn es um die Frage der Organspende geht und der potentielle Spender eben keinen Organspendeausweis hatte. Angehörige und Freunde, denen ich wichtig bin, haben damit kein Problem und wissen, wie ich zu dem Thema stehe.
  • Erst jüngst wurde beim Themenkomplex Übergriffigkeit/sexueller Belästigung argumentiert, dass es keineswegs so sein kann, dass kein klares Nein per se ein Ja sei. Mir ist unbegreiflich, weshalb das in dem Kontext plötzlich anders sein sollte.

Fazit:

Ich bin selbst Organspender. Aus freien Stücken. Und genau so sollte diese Entscheidung erfolgen: freiwillig. Ich halte es für absolut falsch und tatsächlich auch moralisch-ethisch fragwürdig, diesen Entscheidungsprozess umzukehren, nur, weil man meint, damit etwas Gutes zu tun. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

 

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