Kandel und die Demokratie

Facebookdiskussion einer lokalen Gruppe

Gerade bin ich mal wieder in einer Facebook Gruppe auf eine Diskussion zu den regelmäßigen Demonstrationen in Kandel gestoßen, in der gefordert wurde, das man dem doch endlich einen Riegel vorschöbe. In den Medien wurde es ruhig um Kandel, in Kandel selbst leider nicht so sehr.

Unter dem Motto “Kandel ist überall” finden nach wie vor in Kandel, aber auch in vielen weiteren Deutschen Städten, entsprechende Märsche und Veranstaltungen statt. Es gibt sogar “Das Manifest von Kandel“, in dem “die Frauen von Kandel” 10 Forderungen aufstellen, die “Schutz und Sicherheit in Deutschland” wiederherstellen sollen. Dass all dies natürlich rechtsextreme Propaganda ist, unterfüttert mit der üblichen Portion Xenophobie, Fremdenhass und “die nehmen mir dies und das und jenes weg”, darüber brauchen wir doch gar nicht zu diskutieren. Selbstverständlich halten weder die Forderungen “der Frauen von Kandel”, noch das, was unter dem Label “Kandel” sonst so gefordert und gesagt wird, einer logischen, vernünftig-sachlichen Betrachtung stand.

Das Problem mit der Demokratie ist ja, dass sie für alle Beteiligten gilt, auch für die, die sie eigentlich abschaffen wollen. Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut und man kann tatsächlich nicht ernsthaft hergehen und sagen “Verbietet denen doch, da ständig aufzulaufen!”, wenn man auf der anderen Seite selbst dort steht und marschiert. Solange die dabei nichts Rechtswidriges tun, erlaubt ihnen unser Grundgesetz nunmal, dort aufzulaufen, erst Recht, wenn dafür auch noch Genehmigungen form- und fristgerecht eingeholt wurden, sofern erforderlich. Ganz plakativ ausgedrückt: wer den allmonatlichen Kandeler Wahnsinn verbieten möchte, muss eigentlich auch den Hambacher Wald Protest verbieten, nur kommt das ja aus gesellschaftlich akzeptablerer Ecke und ist somit in Ordnung 🙂

Man verstehe mich nicht falsch: ich bin einer der Ersten, die vor Monaten bereits gesagt haben, dass beide Extreme doch Kandel bitte endlich zur Ruhe kommen lassen sollten. Ich kann mit den Rechtsextremen genausowenig anfangen wie mit den Linksextremen und tatsächlich ginge mir, wäre ich Kandeler, das Ganze so dermaßen auf den Keks, dass ich vermutlich jeden Demonstranten, der an meinem Fenster vorbeiliefe und grhlte/skandierte/pfiffe/wasauchimmerte, egal von welcher Couleur, mit ebenjenen bewerfen würde Hauptsache, es wäre endlich Ruhe.

Man kann sich die Demokratie nicht so hinbiegen, wie man sie gerne hätte. Dann ist es keine Demokratie mehr. Zumal es ja auch so ist, dass die ganze Sache unglaublich verzwickt ist. Ein Perpetuum Mobile sogar. Denn es ist ja so:

Rechte marschieren auf. Daraufhin marschieren die empörten Linken natürlich auch auf. Rechte bekommen Aufmerksamkeit, weil die Linken komplett übersteuern. Auf 50 rechtsextreme Vollidioten kommen ja oft 300 völlig empörte Gutmeinende, 100 in den 68ern stehengebliebene Althippies und 100 gewaltbereite Linksextreme, die eigentlich dasselbe wollen wie die Rechtsextremen, nur aus der anderen Richtung. Die Vernunft der Mitte fehlt dabei aber leider völlig. Nun ist es ganz klar, dass man als Demokrat Antidemokraten (von beiden Seiten allerdings) keineswegs immer und überall gewähren lassen kann, man muss, da, wo es Sinn ergibt und nötig ist, aufstehen und ihnen zeigen “So nicht!”. Aber eben nur da, wo es Sinn ergibt. Tut es das bei der 325235. Veranstaltung in Kandel wirklich noch, oder geben wir den Rechtsextremen damit nur eine Bühne, wo sonst keine wäre?

 

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