Die Woche im Rückblick

Social Media ist ja hin und wieder schon lustig. Wenn man, wie ich, hin und wieder durchaus auch mal beruflich mit diesem “Soschäl Netwörking” zu tun hat, hat man natürlich einen völlig anderen Bezug dazu und eine völlig andere Sicht darauf. Wenn man dann aber noch den guten alten “common sense” mitspielen lässt, entwickeln sich mitunter doch “interessante Gespräche”.

Im Ursprungstweet, um den es in diesem Abschnitt geht, ging es eigentlich – wie so oft – um belästigende Männer und missverstandene Frauen:

Grundsätzlich erstmal ein Disclaimer, bevor wieder irgendwer meint, er (oh no, he didn’t, did he? generisches Maskulinum, wie kann er nur!) müsse mir nun wieder beibringen, wie böse und diskriminierend die Welt doch ist: mir ist bewusst, dass es durchaus ein Problem gibt und dass Frauen durchaus leider oft das Opfer von Diskriminierung und Ungleichbehandlung sind. Ich streite das weder ab, noch marginalisiere ich das. Ich habe allerdings nicht nur Verständnis, sondern auch gesunden Menschenverstand und lasse mich i.d.R. nicht von jeder stumpfen Paranoia und Hysterie anstecken. Das heißt leider auch, dass ich nicht an die große, maskuline Weltverschwörung glaube und Generalisierungen grundsätzlich nicht teile. Und da haben wir auch schon mein erstes Problem mit dem Initialtweet: sicher, Twitter ist ein Kurznachrichtendienst und es ist mitunter schwierig, Sinn und Vernunft in gerade mal 280 Zeichen zu packen, aber der Initialtweet impliziert, alle Frauen beschwerten sich und alle Männer würden es – absichtlich und wissend, dass die Welt doch in Wahrheit eben doch ganz schrecklich böse zu allen Frauen ist – missverstehen und ins Lächerliche ziehen. Männer hörten nicht zu und zwar alle. Sicher doch.

Narr, der ich bin, musste ich antworten.


Ich wünschte, ich könnte den nächsten Absatz nun mit “little did I know” beginnen, aber…natürlich war mir klar, dass da einige Aufreger drin waren, an denen man sich perfekt aufhängen konnte, so man denn nur wollte. Allen voran natürlich: Rasse.

Es dauerte auch nicht lange, bis der erste “Aber es gibt gar keine Menschlichen Rassen!” Tweet kam.

Doch, gibt es. Ob man die nun Ethnie, Unterart oder Rasse nennt, ist vor Allem erstmal persönliche Präferenz und die wird zum Großteil nunmal von der eigenen Sozialisierung, Historie und Prägung bestimmt. Der Begriff Rasse stößt dem ordnungsgemäß sozialisierten heutigen Deutschen natürlich erstmal übel auf. Man hat empört zu reagieren. Ich verstehe den Reflex natürlich. Er ist allerdings albern. Solange ich persönlich mit dem Begriff weder das assoziiere, impliziere und verbreiten möchte, was damit schändlicherweise zeitweilig in unserer Geschichte assoziiert, impliziert und verbreitet wurde und der komplette Inhalt meiner Meinungsäußerung, bis auf eben dieses eine negativ konnotierte Wort, eben nicht rassistisch, xenophob und gesetzwidrig ist, ist das Wort Rasse primär erstmal genau das: ein Wort. Jetzt kommen gleich wieder die Ersten mit “Sprache hat Bedeutung!”. Ja, richtig. Hat sie. Aber diese Bedeutung hat sie nicht inert und von und durch sich selbst, diese Bedeutung steuern wir Menschen, die sie nutzen, sprechen, verstehen und interpretieren, ihr bei.

Gut, nennen wir es nicht Rasse. Nennen wir es Ethnie. Unterart. Typ. Sorte. Art. Im Grunde sagen alle diese Worte das exakt Selbe aus: es gibt zwischen Menschen unterschiedlicher Ethnien Unterschiede. Teile dieser Unterschiede sind durchaus auch biologisch, so dass der Begriff Rasse, auch wenn er grundsätzlich in der Biologie mittlerweile durch das Wort Unterart ersetzt wurde, prinzipiell erstmal übrigens auch nicht falsch ist. Doch die Unterschiede beschränken sich nicht auf die Biologie, es gibt eindeutige, ganz klar und objektiv abgrenzbare Unterschiede zwischen den verschiedenen Ethnien auf unserem Planeten: kulturell, biologisch, soziologisch, moralisch-ethisch. Der Kampfruf “Wir sind alle gleich!” ist schlicht inkorrekt. Es sind nicht alle Menschen gleich. Der durchschnittliche Afrikaner unterscheidet sich vom durchschnittlichen Isländer in Hautfarbe, Kultur, Tradition, moralisch-ethischen Wertvorstellungen und vielen weiteren Dingen. Der durchschnittliche Italiener ist kleiner, hat eine dunklere Hautfarbe und hat andere moralisch-ethische Grundwerte als der durchschnittliche US Amerikaner. Was den durchschnittlichen Asiaten erfreut, mag den durchschnittlichen Südamerikaner erzürnen und umgekehrt. Und ja, nicht einmal biologisch sind wir Menschen unterschiedlicher Ethnien deckungsgleich: Asiaten vertragen i.d.R. keine Milch. Der durchschnittliche Europäer hat mit Milchprodukten kein Problem. Der durchschnittliche Afrikaner hat deutlich mehr Melanin in seinem Körper als der durchschnittliche Grönländer.

Dies sind erstmal alles pure, simple Fakten. Völlig wertungsfrei. Und genau da liegt der Knackpunkt. Aus irgendeinem Grund meinen Social Justice Warrior immer, sie müssten – bevor überhaupt irgendwas Schlimmes gesagt wurde – betonen und darauf hinweisen, dass da was Schlimmes passieren oder gesagt werden könnte. Man meint dann, mit “Wir sind alle gleich!” das bereits im Keim ersticken zu können. Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint: es ist schlicht albern und naiv, zu erwarten, dass sich jeder von simplen Kampffloskeln beeindrucken ließe. Mich beeindruckt weder das – faktisch falsche und verabscheuungswürdige – “Afrikaner sind minderwertig, weil sie schwarz sind!” der Rechtsextremen und Xenophoben, noch das – faktisch falsche und schlicht naive – “Wir sind alle gleich!” der Linksextremen, Linken, Social Justice Warrior und Weltverbesserer/Berufsempörten.

Nüchtern betrachtet: ja, wir sind alle unterschiedlich. Gute Güte, wir sind schon innerhalb derselben Ethnie nicht alle gleich und ich danke allen Göttern, an die ich als Atheist nicht glaube, dafür. Es ist diese Diversität, diese Unterschiedlichkeit, die mich an Menschen grundsätzlich interessiert. Ich könnte mir nur wenig Schlimmeres vorstellen, als dass wir wirklich alle gleich wären. Das wäre eine zutiefst langweilige, öde Vorstellung.

Ein weiterer, großer Aufreger diese Woche war ja der Fingerabdruck im Personalausweis. Nachdem ich einige Tweets dazu gelesen hatte, musste ich natürlich meinen eigenen Senf dazu abgeben:

Man wird es erahnt haben: auch dies rief mitunter merkwürdige Gestalten auf den Plan. Von “der Staat ist grundsätzlich böse, ihm ist nicht zu trauen” über “ja, aber der Staat KÖNNTE ja böse werden” bis hin zu “nix aus DDR und Nazizeit gelernt!” war alles dabei.

Nun muss ich dazu sagen: ja, natürlich bestehen da Risiken. Gerade unserem Staat, der gefühlt immer noch im Schema #Neuland denkt, traue ich nur sehr wenig Kompetenz in Sachen Daten, Biometrik, Internet und Technologie zu. Ein Staat, dessen Bedienstete solchen Unsinn von sich geben:


„5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“, sagte sie. „Wenn wir 4G flächendeckend haben, sind wir schon sehr gut ausgestattet.“

https://www.wiwo.de/politik/deutschland/forschungsministerin-karliczek-5g-ist-nicht-an-jeder-milchkanne-notwendig/23663688.html

oder solchen:

erfüllt mich nämlich tatsächlich nicht mit allzu viel Zuversicht darin, dass die wissen, wie die Welt heutzutage so funktioniert. Einem Staat, dessen Bedienstete nicht begreifen, wie peinlich es ist, wenn wir als Wirtschafts- und Weltmacht, als die wir uns gern gerieren, hinter Ländern wie Rumänien, der Tschechei und anderen ehemaligen Ostblockländern weit hinterherhinken, wenn es um Dinge wie z.B. den Breitbandanschluß oder mobiles Internet geht, traue ich wenig bis gar keine Kompetenz in dem Gebiet zu. Ja, da bestehen Risiken. Ich weigere mich allerdings schlicht, dem Staat per se Malignität zu unterstellen. Unvernunft, fehlendes Fachwissen, Unverständnis und mitunter Dummheit, ja, meinetwegen. Aber ich unterstelle dem aktuellen Deutschen Staat nicht per se Malignität, einfach auch, weil er mir dafür bis dato absolut keinerlei Anlass gibt.

Sicher, man kann erstmal von vornherein sagen: “Aber man könnte das missbrauchen, also tun wirs lieber nicht!“. Mit der Einstellung können wir uns aber von jedwedem Fortschritt verabschieden, denn missbrauchen kann man prinzipiell alles irgendwie, wenn man nur wirklich möchte. Die Franzosen haben Ihren Fingerabdruck seit Jahrzehnten in der Carte nationale d’identité und leben offenbar noch ganz gut und ununterdrückt damit.

Viel spannender finde ich ja, womit dieselben Leute, die mitunter dem Staat bloß nicht zu viele Informationen und Daten geben wollen, oftmals keinerlei Probleme haben:

  • das Handy mit dem Fingerabdruck entsperren; die Mehrheit jener, die mir das als tolle neue Innovation vorstellen wollten, hatten selbst null Ahnung, ob der dann auch wirklich nur auf dem Handy gespeichert wird oder nicht, ist convenient und cool, muss also ok sein!
  • Alexa; hört stetig und überall mit und sendet dem Nutzer erstmal unbekannte Daten und Berichten zu Amazon Servern in den USA, ist aber convenient und cool, muss also ok sein!
  • Google Assistant, Google Maps, so gut wie alle Dienste von Google erfassen automatisch, wo du bist, was du tust, greifen Daten von deinen Lage- sowie anderen Sensoren des Smartphones ab, erstellen Bewegungs- und Nutzungsprofile und all das wird brav auf Google Servern in den USA gespeichert; ist aber convenient und cool, muss also ok sein!

Oftmals, so zumindest meine bisherige Erfahrung, sind es dieselben Leute, die mit den o.g. Diensten keinerlei Problem haben, aber plötzlich massivste Orwell-Bedenken entwickeln, sobald der Staat irgendwelche Daten von ihnen haben wollen. “Wofür brauchen die das? Werd ich da jetzt generalverdächtigt? Was soll das?” Aber Google bereitwillig jederzeit wissen lassen, wo man sich aufhält.

Ich gebe zu: auch ich nutze die tolle, conveniente, moderne Technik. Allerdings wissentlich. Ich weiß, dass meine Daten da in den Äther geblasen werden und ich nehme wissentlich und willentlich in Kauf, dass ich mich u.U. mit der Nutzung selbst in “Gefahr” begebe. Gut, ich habe auch kein Problem damit, dass mein Personalausweis künftig meinen Fingerabdruck beinhalten muss. Tut meiner übrigens seit Jahren schon und ich fühle mich bislang nicht über Gebühr überwacht oder unterdrückt. Komisch, was?

Was mich ebenfalls…hmmm, nicht zwingend bewegt, aber streckenweise belustig hat, war das #Mehlgate. Wer das nicht mitbekommen hat, nehmt Euch eine Minute und zieht es Euch rein, es ist großartig:

Ein Tweet, der recht große Wellen schlug. Auch hier war wieder alles dabei, was ein veritabler Shitstorm so braucht: Verschwörung, Unverständnis und der allgemeine Irrglaube vieler Menschen, dass die Welt unbedingt wissen müsse, was sie zu Diesem und Jenem denken. Sagt einer, der ein Blog betreibt und aktiv twittert; ja, the irony is not lost on me!

Tatsächlich ist es doch so, dass wir alle schon mal, und wenn es nur aus reiner Neugierde oder Jux war, ungeöffnete Verpackungen gewogen haben. Hätten wir das in statistisch verwertbarer Menge getan, wäre uns vermutlich Folgendes aufgefallen:

  • einige Packungen enthalten deutlich mehr, als angegeben
  • einige Packungen enthalten deutlich weniger, als angegeben
  • einige Packungen enthalten mehr oder minder exakt die angegebene Menge

Auch ich habe hin und wieder mal “nachgewogen“, wobei man natürlich auch zugeben muss, dass vermutlich so gut wie niemand von uns eine staatlich geprüfte, geeichte Wage sein Eigen nennt und damit bereits schon mal der erste verfälschende Faktor in die Gleichung gelangt: eine potentiell ungenaue Waage. Es kommt schon recht oft vor, dass in meiner 250g Margarine nur 240g drin sind, inklusive Schachtel, was letztlich ja bedeutet, dass da nochmal 12-15g weniger eigentliche Ware enthalten sind. Oder weniger Zucker im Kilo Zucker. Oder eben im…naja…Mehl. Ich hatte aber auch schon 1020g Zucker in der 1kg Tüte. Was das heißt? Vermutlich stimmt das Ding mit der technischen bedingten Füllhöhe, den transportbedingten Schwankungen und der mengenbedingten Ungenauigkeiten; und letztlich auch das Ding mit der Statistik.

Dennoch kann ich den grundsätzlichen Wunsch, nicht weniger für sein Geld zu bekommen, als ausgewiesen war, durchaus verstehen. Denn ja, letztlich verdienen die Konzerne daran vermutlich nicht schlecht. Ob einen das nun bei statistisch und insgesamt auf die Gesamtmenge dessen, was man im Jahr so verbraucht, betrachtet vermutlich eher geringen Mengen gleich so auf die Palme bringen muss, ist natürlich fraglich. Ob man Menschen, die das ganz offenbar stört, allerdings gleich derart traktieren muss…auch fraglich.

Menschen, ne? Kannst nicht mit ihnen, ohne sie geht aber auch nicht.

0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.