Die “Respekt-Rente”

Die "Respekt-Rente" solls richten: Hubertus Heil will eine Grundrente

Deutsche Politiker sind sich in der Regel für nichts zu fein, schon gar nicht für fragwürdige Wortspiele mit dem Suffix “-Rente”. Leider sind die Wortspiele oftmals nicht das einzig Fragwürdige dabei.

Der amtierende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat seine ganz eigene Idee davon, wie Renten sozialer, gerechter und viel viel toller zu machen seien: die “Respekt-Rente”, wie er sie nennt, soll hier die Lösung sein. Gerecht nennt er sie. Sozial. Wie so Vieles, was von der SPD kommt, mag die Idee Vieles sein, nur nicht gerecht und sozial.

Dazu, wie die “Respekt-Rente” funktionieren soll, sagt die SPD auf Ihrer Webseite nur wenig.

Im Kern sollen kleine Renten per Zuschlag erhöht werden – und zwar automatisch berechnet durch die Rentenversicherung. Voraussetzung sind mindestens 35 Jahre Einzahlung in die Rentenkasse. Auch Teilzeit, Kindererziehungs- und Pflegezeiten zählen mit, allein Minijobs reichen aber nicht. Generell gilt: Wer nach genau 35 Beitragsjahren weniger als 896 Euro Rente hat, bekommt einen Zuschlag. Beschäftigte, die immer nur Mindestlohn verdienten, sollen die maximale Aufwertung von 447 Euro erhalten.

https://www.spd.de/aktuelles/grundrente

So weit, so klar. Natürlich wird bis hierhin erst einmal nicht erwähnt, wie das zu finanzieren sei. Es wird nun darauf eingegangen, was genau man dann mit dieser “Respekt-Rente” später bekäme:

Die Friseurin mit 40 Jahren Mindestlohn käme also auf 961 statt 514 Euro Rente.

https://www.spd.de/aktuelles/grundrente

Und weil Friseurinnen alleine nicht genügen, hat man noch die Krankenschwester ausgepackt:

Bei einer alleinerziehenden Krankenschwester in Teilzeit mit zwei Kindern ergäbe sich zum Beispiel ein Renten-Sprung von 860 auf 1000 Euro.

https://www.spd.de/aktuelles/grundrente

Gut, man bekommt nun also statt in der Tat jämmerlichen und absurd niedrigen 514€ deutlich mehr, nämlich 961€, wenn man sein Leben lang Haare frisiert hat. Davon mal völlig abgesehen, dass ich mir zum Beispiel meine aktuelle Wohnung davon zwar leisten könnte, aber dann eben den Rest des Monats nichts zu essen, nichts zu trinken und weder Strom noch Heizung noch Internet habe und das der handelsüblichen Friseurin nicht besser gehen dürfte, ich frage ja gern nochmal: wovon, liebe SPD, finanziert Ihr das? Ah richtig, dazu haben sie ja Ideen:

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) rechnet mit Kosten in mittlerer einstelliger Milliardenhöhe pro Jahr. Finanziert werden soll das aus Steuermitteln. Das ist gerecht, schließlich ist es eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft – nicht nur der Beitragszahler – kleine Renten aufzustocken.

https://www.spd.de/aktuelles/grundrente

Gerecht, sagt er, der Hubertus Heil. Ich finde es immer lustig, wenn Menschen, die alleine dafür, dass sie den lieben langen Tag oftmals nichts als heiße Luft produzieren, in 4 Monaten mehr verdienen, als ich in einem ganzen Jahr und die noch dazu nicht im selben Maße wie ich in diese Steuergelder einzahlen, davon sprechen, wie gerecht es doch sei, dies und das und jenes durch Steuergelder zu finanzieren. Insbesondere von Bundesministern kommt das immer sehr ehrlich, aufrecht und würdig herüber. Der Herr Heil, der übrigens recht weich fällt und sich um seine Rente keine Sorgen zu machen braucht, wenn er mal nicht mehr Bundesminister ist, stellt sich das sehr einfach vor mit der Gerechtigkeit. Angesichts der Tatsache, wie seine künftige Rente geregelt ist, finde ich, sollte Herr Heil mit den Worten “unwürdig” und “respektlos” bedachter umgehen:

Besonders großzügig sind die Ruhegehaltsregelungen gefasst. Wer mindestens vier Jahre lang Bundesminister war, kann sich über eine Pension von knapp 4.400 Euro pro Monat freuen. Mit jedem weiteren Jahr als Regierungsmitglied steigt die Pension um weitere 377 Euro monatlich bis maximal 11.300 Euro. Für Bundesminister gilt die gleiche Regelaltersgrenze wie für Bundesbeamte, also die schrittweise Anhebung auf 67. Doch können ehemalige Bundesminister unter Umständen schon mit 60 ihr Ruhegehalt in Anspruch nehmen.

https://steuerzahler.de/aktion-position/politikfinanzierung/bundesminister/

Respekt geht anders, Herr Heil. Von Respekt, sozialer Gerechtigkeit und würdiger Rente dürfen Sie dann sprechen, wenn Sie ehrlicher- und sozialerweise auf Ihr üppiges Fallstroh nach Ihrer Bundestagszeit verzichten und von derselben “Respekt-Rente” leben müssen, wie jene, die zu vertreten Sie angetreten sind.

Die SPD wirft mal wieder mit Floskeln und Schlagwörtern um sich, in der Hoffnung, es wird schon genug an der Wand kleben bleiben, wenn man mit ausreichend klebriger Masse wirft. Kein sinnvolles Wort dazu, wie diese Mehrausgaben gedeckt werden sollen. Kein sinnvolles Wort dazu, wie der Umstand Altersarmut sinnvoll und vernünftig einzugrenzen ist und wie man, außer mit irrwitzigen Rentenideen, dieser Lage Herr werden könnte. Stattdessen nur das Propagieren von “35 Jahre durchgehend arbeiten und dann ein bisschen weniger blöd dastehen” und sich dafür auch noch toll fühlen. Was die “Respekt-Rente” übrigens auch bedeutet, uns der Herr Heil aber in der Hoffnung, wir werden schon dumm genug sein, es nicht zu merken, aber nicht sagt:

  • Urlaub? Kann ich mir nicht leisten. Also nicht finanziell, sondern im Hinblick auf die Rente. Muss Arbeitsjahre sammeln.
  • Fort- und Weiterbildung? Kann ich mir nicht leisten, außer, sie zählt als normale Arbeitszeit. Der Erwerb höherführender Qualifikation während der Berufstätigkeitszeit ist damit im Zweifel unmöglich gemacht, was ebenso verhindert, dass Arbeitnehmer höherqualifizierte Jobs mit höherer Bezahlung und damit später höherer Rente erreichen.
  • Sich mal was leisten? Lieber nicht. Buckeln und schuften, die 35 Arbeitsjahre müssen geschafft werden, ansonsten siehts übel aus. Zwischendurch Spaß haben lenkt doch nur ab.
  • Aber jetzt, jetzt wo ich alt und in Rente bin, alle Voraussetzungen für die “Respekt-Rente” brav erfüllt habe und sie beziehe, jetzt kann ich mir Dinge leisten, die Welt sehen, ein wenig entspannen und es mir gut gehen lassen, ja? Schön wärs. Aber dank jahrelangen Buckelns mit kaum Auszeit, kaum wirklichen Weiterkommens und daher auch nur bedingt besserem Auskommen im Alter und aufgrund der Tatsache, dass leider jeder nur nach höherer Rente geschaut hat, nicht aber danach, dass die Lebenshaltungskosten inkl. Miete und Allem, was sonst noch so anfällt, halt insgesamt streckenweise absurd hoch sind, hast Du jetzt leider immer noch nicht genug zum Leben, aber zu viel zum Sterben. Hamwa toll gemacht, oder?

Wenn Ihr Euch fragen solltet, warum das mit den Umfragewerten nicht mehr so wirklich klappt, liebe SPD, ich hätte da die eine oder andere Idee…es könnte mit heißer Luft und Nonsense wie diesem zusammenhängen.

Nichts für ungut.

 

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*