Das darfst du so nicht sagen!

“Ich möchte mit der ANTIFA nicht in Verbindung gebracht werden.”

Ein Satz, den man als Demokrat schon hin und wieder mal sagt und eigentlich auch denkt, dass man das heutzutage nicht weiter ausführen oder näher erläutern muss. Stattdessen wird man allerdings im Nachgang dieses Satzes häufig mit langwierigen Diskussionen darüber konfrontiert, dass es “DIE ANTIFA” so gar nicht gebe und dass wer sich mit der Antifa assoziiere, ja schlicht und ergreifend einfach nur antifaschistisch sei, was ja nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit linksextremer Gesinnung sein müsse. Sicher, da ist bestimmt viel Wahres dran. Zum Beispiel, dass eine grundsätzlich antifaschistische Einstellung nicht zwingend bedeutet, dass man linksextremer Gesinnung ist. Das stimmt auffallend, denn auch ich, obwohl ich eben nicht mit dem assoziiert werden möchte, was der Otto Normal Verbraucher dieser Tage nunmal eben mit “der ANTIFA” assoziiert, bin durchaus trotzdem Antifaschist.

Die ganz allgemein und gängige Assoziation ist nunmal Antifa = linksradikale Aggros. Jeder “normale Antifaschist” sollte sich eigentlich fragen, ob das eine Assoziation ist, bei der er mit subsumiert werden möchte. Und diese Assoziation ist ja nun auch nicht weiter verwunderlich, man muss ja nicht weit gehen und schauen, um zu begreifen, woher diese Assoziation kommt. Hundstage, Chaostage, G20, G7, man hört selten Gutes in Verbindung mit der Antifa. Jetzt sagen viele Apologeten meist, die Antifa gebe es ja so in der Form erstmal gar nicht als Organisation, sondern das sei ja nur ein loser, lockerer Oberbegriff, unter dem sich erstmal alles sammelt, dass eben antifaschistisch sei. Das mag ja zutreffen, aber dann muss ich mich als demokratischer Antifaschist doch fragen, ob ich wirklich im selben Fahrwasser sein möchte, wie Menschen, die offen und unumwunden zugeben, nicht nur antifaschistisch zu sein, sondern auch gegen den Staat, gegen alle staatliche Ordnung und diese Ziele und Ansichten im Zweifel auch mit Einsatz von Gewalt durchzusetzen bereit sind. Kann ich mich als Demokrat in einer Menschenmenge gut fühlen, in der staatsfeindliche Parolen gegröhlt werden? Kann ich als Demokrat damit leben, wenn ich in derselben Ecke stehe, in der jene stehen, die Autos anzünden, Mülltonen umwerfen und Polizisten mit Steinen, Brandsätzen und Pyrotechnik bewerfen? Sicher, nicht jeder, der sich der Antifa zugehörig fühlt, tut all diese Dinge. Aber will ich wirklich die Nähe zu jenen suchen, die das tun? Nein, will ich nicht. Der Zweck, auch nicht der, sich laut und stark gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass auszusprechen, heiligt eben nicht die Mittel und der Feind meines Feindes ist auch nicht zwingend immer mein Freund.

Gewalt, Hass und verblendete Ideologie werden ja nicht plötzlich gut, richtig und akzeptabel, nur, weil sie nicht von rechts, sondern von links kommen. Extremismus ist gefährlich und inakzeptabel, dabei ist es völlig irrelevant, ob er von rechts- oder linksaußen kommt. Der steinewerfende Randalierer mit schwarzer Kapuze und Antifaaufkleber am Rucksack ist genauso gefährlich und als Mitstreiter ungeeignet wie der minderbehaarte Vollidiot, der antisemitische Phrasen drischt. Wer mit Pyrotechnik, Flaschen oder Steinen Polizisten bewirft, ist genauso gefährlich und als Mitstreiter ungeeignet wie einer, der dieselben Dinge auf Ausländer wirft.

Wer sich auf dem Boden der FDGO und unseres Grundgesetztes bewegt und sich an geltendes Recht hält, wer sich den Änderung globaler wie nationaler Umstände mit den Mitteln  des demokratischen Rechtsstaates verschrieben hat und sich gemeinhin eben auch an die Regeln und Sitten des gesunden Menschenverstandes und Anstandes hält, neben dem stehe ich nach wie vor gerne und zeige klare Kante gegenüber jedwedem Extremismus. Doch nur, weil ich gegen Rechtsextremismus, Faschismus und Antisemitismus bin, muss ich ja nicht gleich mein Gehirn ausschalten und mich in die Reihen derer einreihen, die meine Wertevorstellungen, mein Demokratieverständnis und das, wofür ich einstehe, genauso mit Füßen treten, nur eben von der anderen Seite.

Und dann ist da ja auch noch die Frage, die sich mir als quasi ortsnahem Mitbürger jedes Mal aufs Neue stellt, wenn in Kandel mal wieder demonstriert wird: muss man wirklich bei jedem Aufmarsch der Rechtsverblendeten in x-facher Mannstärke auftauchen und die Stadt unsicherer machen, als es die tun, gegen die man da eigentlich demonstrieren will? Darf Kandel nicht auch einfach mal zur Ruhe kommen, damit dort mal wieder so etwas Ähnliches wie Normalität und ein normaler Alltagsablauf möglich werden? Seit den ersten Demonstrationen vor mehreren Wochen hat Kandel nun beinahe ständig irgendwelche Aufmärsche, Kundgebungen und Demonstrationen ertragen müssen und wenn wir mal genau hinschauen, dann waren da selten bis nie die Rechtsextremen in der Mehrheit, sondern die Vermummten, die laut gröhlenden “Antifaschisten” und nicht zuletzt jene, die – natürlich in vollster Absicht, friedlich und entspannt zu demonstrieren – bereits mit diversesten potentiell gefährlichen Gegenständen ausgerüstet angereist waren. Ich sage nicht, dass man den Rechtsextremen das Feld überlassen sollte. Was ich sage, und das habe ich auch damals in meiner Partei immer gesagt, ist: stellt Euch nicht zur Antifa. Sucht nicht die Nähe der Gröhler und Lärmer, haltet Euch von den Gewaltbereiten fern. Niemand sagt, dass Ihr nicht gegen Rechts aufstehen dürft. Aber man muss sich als Demokrat vielleicht nicht gerade zu den anderen Extremen stellen.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

Du kommst mit Differenzierung nicht klar? Ist ok. Dann bin ich für dich halt rechtsextrem ¯\_(ツ)_/¯

 

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