Darf man den Islam kritisieren?

Bildbeitrag einer insgesamt doch deutlich rechtskonservativ bis nationalistisch gepräften Webseite, deren Postaccount passenderweise "Reichskulturkammer" heißt.
Bildbeitrag einer insgesamt doch deutlich rechtskonservativ bis nationalistisch gepräften Webseite, deren Postaccount passenderweise “Reichskulturkammer” heißt.

Ein Bekannter von mir postete, bzw. teilte heute auf Facebook obiges Bild. Bevor er sichs versah, entstand eine Diskussion darum, die natürlich sehr schnell in Beurteilungen wie “wie kannst du nur so einen rechten Quatsch teilen” abdriftete, wie konnte es auch anders sein.

Gleich mal vorneweg, bevor wieder einer weint: ja, nach kurzem Überfliegen der Posts dieses Blogs komme auch ich zu der Auffassung, dass beim Betreiber dieses Blogs mehr als nur ein Schräubchen locker ist und seine Bildchen durchaus in der Masse einen doch eher deutlich rechtsrechten Tenor haben.

Dennoch greift es meiner Auffassung nach zu kurz, einfach nur zu sagen “das kommt von ner Naziseite, das geht gar nicht!”. Denn mal ehrlich, kann jemand diese Frage mal bitte beantworten? Gibt es, nach reiflicher Überlegung, eines der 57 islamisch regierten Länder dieses Planeten ein Land darunter, in dem man dauerhaft leben wollte? Ich habe mir das relativ lange überlegt und bin auf 7 Länder gekommen, bei denen ich mir das grundsätzlich eventuell vorstellen könnte: Indonesien, Malaysia, Komoren, Ägypten, Marokko, Tunesien, Türkei. Nun muss man allerdings ganz klar sehen: ich bin nun kein Fachmann und kenne diese Länder – eigentlich keines außer Deutschland – nicht gut genug, um die politische Lage dort wirklich einschätzen zu können und der Ausschluß der 50 anderen islamisch regierten Länder erfolgte ausschließlich aufgrund von Informationen, die sich größtenteils aus Hörensagen und kurzem Überfliegen der News und Wikipedia zu den einzelnen anderen Ländern zusammensetzen. Und selbst bei den 7 Ländern, die da noch übrig blieben, fiele einem mit Sicherheit bei dem einen oder anderen recht schnell eine Latte an Gegenargumenten ein, die einen dann doch noch davon abhielten. Die Türkei könnte man da noch am Einfachsten aktuell als Paradebeispiel heranziehen. Dennoch, nach allem, was mir als laienhaft Informiertem so an Information zur Verfügung steht, sind es wohl die vorgenannten 7 Länder, die ich da noch nennen würde.

Im Verlauf der Diskussion kam dann jemand an, der den Poster – vorab: kein rechtsnationaler Dummbeutel, sondern ein noch sehr junger, entsprechend undifferenzierter Mensch – dann fragte, wie er denn sowas nur posten könne. Ob er denn nicht gesehen hätte, was für eine rechtsnationale Seite er da unterstütze. Da stellte sich mir dann die Frage, ob wir wirklich insgesamt bereits so abgestumpft und undifferenziert sind wie jene, gegen die wir uns da eigentlich stellen wollen.

Ich will ja niemanden enttäuschen, aber es ist durchaus erlaubt und legitim, den Islam abzulehnen. Das nennt sich Meinungsfreiheit und solange man das nicht in hetzerischer, gewaltverherrlichender oder volksverhetzender Art und Weise tut, darf man jederzeit gerne die Meinung vertreten, dass man den Islam ablehnt. Das hat mit rechter Propaganda absolut nichts zu tun. Ich persönlich lehne den Islam auch ab. Ich lehne als Atheist so ziemlich alle Religionen ab. Deswegen bin ich noch lange nicht rechtskonservativ, reaktionär oder gar rechtsradikal.

Etiketten allein sind nie gute Indikatoren. Man muss schon hinter das Etikett schauen, sich den Inhalt ansehen. Das ist in etwa wie mit der SPD…da steht außen auch sozial drauf und innen ist davon seit so ca. 20-30 Jahren nicht mehr viel zu bemerken. Ja sicher, der Blog postet mehrheitlich rechtskonservativen bis national geprägten Schund und Unfug. Macht das das eine, gerade aktuell zur Debatte stehende Bild gleich mit zu Unfug? Ist die Frage deswegen illegitim? Ich differenziere da doch noch genug um zu sagen:

Unabhängig vom restlichen Gesamtbild des Blogs: es ist eine durchaus legitime Frage. Ich selbst habe eingangs 7 solcher Länder genannt, aber würde ich wirklich dauerhaft in einem nicht säkularen Land, wo die Religion wirklich politisches Gewicht hat, leben wollen? Eigentlich nämlich nicht. Darf man den Islam denn nun kritisieren? Selbstverständlich geht Kritik klar, immer. Religion, KEINE davon, ist nichts über alle Maßen Schützenswertes und muss mit konstruktiver, sachlicher Kritik einfach klarkommen, wenn sie möchte, dass ich sie ernst nehme. Das gilt für den Islam, das gilt für das Judentum, das gilt für das Christentum, das gilt für jede weitere Religion, die einem nur einfallen kann. Generell geht konstruktive, sachliche Kritik immer klar, egal, ob es um Religionen oder andere Ideologien geht. Kritik ist Teil der Meinungsfreiheit und diese ist ein sehr hohes, wichtiges Gut. Sie hilft einem aber auch, sich weiterzuentwickeln, sich selbst zu hinterfragen und idealerweise in Folge eine Entwicklung zum Besseren zu ermöglichen. Und weiß [Gottheit Ihrer Wahl einfügen], das können wir alle gut gebrauchen.

 

 

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